Arbeitssitzungen und Wahlkampf

Mittlerweile hat sich das politische Klima doch ein bisschen abgekühlt, da erst einmal
die Wahlen am 24. April anstehen, aber ab 8. April geht der Wahlkampf los, mal sehen. Zumindest
in Lomé, aber auch im Norden des Landes gab es bisher dabei immer Tote.
Ein Mitglied der unabhängigen Wahlkomission hat mir gestern auch gesagt, dass die
RPT bisher immer Mitglieder der Kommission ausgetauscht hat, damit sie mehr Stimmen bekommen.
Das Sportprojekt ist jetzt in vollem Gange. Heute hatten wir eine Sitzung mit den Verantwortlichen
der Dörfer (nur 4 von 6 waren repräsentiert). Jetzt müssen wir noch sehen,
ob wir die zwei anderen Dörfer ausschliessen, da es zu spät wäre, neue aufzunehmen,
wir aber auch nicht mehr auf die anderen warten können.

Arbeitsmaschine und ein erfrischender Regen

Mittlerweile laufen die Vorbereitungen für das Sportprojekt zur Aufklärung
über AIDS in vollem Gange. Mit Bruno (einem Kollegen) bin ich schon in die verschiedenen
Dörfer gefahren, um zu sehen, ob es Fußballteams gibt. Dafür sind wir mit
einem 125 Crossmotorrad in 3 Tagen über 100 Kilometer gefahren, die letzten sechs
Donnerstag Abend durch strömenden Regen. 🙂 Wir wollten einfach nicht länger in dem
Dorf warten! Als wir aber noch am Anfang mit den verantwortlichen des Dorfes geredet haben, hat
mir ein Junge die ganze Zeit Bonbons zugesteckt – sonst ist es doch immer anders herum … 🙂
Wir konnten nachher auch nicht direkt gehen, weil Brunos Tante in dem Dorf wohnte und ihn
nicht gehen lassen wollte, bevor er nicht Abendbrot gegessen hat :).
Das Projekt macht Spaß und man merkt, dass
sich etwas tut. Leider war das Motorrad heute wieder kaputt, da es leider schon etwas älter ist,
aber wir werden das schon hinbekommen, in Afrika ist Improvisieren Standard :).
Wegen Festesco scheint es sich übrigens zu bessern! Mit den Neuwahlen kommt auf jeden
Fall der Bildungsminister weg, da er auch so schon nach Ansichten der Regierung massig Mist gebaut
hat. – Das heißt, der Weg ist wieder frei!
Falls jemand noch Spenden will (wir suchen noch dringend, damit wir nach dem Turnier auch
in die Dörfer gehen können und damit etwas nachhaltiges schaffen können), das
Spendenkonto ist das : “Conzelmann-Spendenkonto “Togo”, Kontonummer 619 414 030
bei der Volksbank Plochingen, BLZ 611 913 10

Kanadier, Cocobeach und Aufstände


soldaten
lkw

Dieses Wochenende war ich mit den Kanadiern, die ich letztes Wochenende kennen gelernt
habe in Cocobeach, in der Nähe von Lomé. Am Freitag auf dem Weg nach
Lomé waren auch schon wieder Patroullienjeeps unterwegs. Schliesslich
angekommen, war die Straße durch einen umgestürtzten LKW halb blockiert,
das Ganze sah aber schlimmer aus als es war. Abgesehen davon ist es in Lomé schon
fast normal.
Nach Mittagessen und ein paar Drinks mit Fanny und einigen Togolesen habe ich noch einige
Informationen eingeholt (wenn man schonmal in dort ist…).
Als das Mototaxi an einer Ampel hielt, wo sich ca. 50 Motos (mit jeweils Fahrer und Fahrgast)
ganz nach vorne geschlängelt hatten, kam ein Staatskonvoi vorbei und ein Soldat
sperrte die Straße ab. Als dann die Ampel für uns von rot auf grün schaltete,
fingen die Fahrer an zu hupen, da der Konvoi aus 7 Wagen oder mehr bestand. Das Ganze
wurde zu einem Gegröle und Gehupe wie bei einem Fußballspiel, bis der Soldat
die Straße verliess und die Feier erst richtig los ging :).
Den Abend waren wir (Fanny, Emil, Martin und ich) dann auf einer Abschiedsfeier eines
weiteren Kanadiers (hört das denn nie auf?) verbracht, auf dem ich auch die Mitarbeiter
der deutschen Botschaft getroffen habe, die ich eigentlich am Montag noch aufsuchen wollte. 🙂
Die haben mir auch gleich noch einige
Informationen über die aktuelle Lage gegeben.
Danach waren wir noch in der Disco bis morgens um 4. Die Discos hier sind auch nicht
viel anders als in Europa, aber da hat man meist keine Rastas wie hier, die zu der Musik
so abgehen. Danach gab es noch zwei Militärkontrollen, wo wir Schmiergeld bezahlen mussten,
da ich meinen Pass gerade nicht dabei hatte (braucht man in Kpalimé halt nie) und die
Soldaten aber auch die beglaubigten Kopien der anderen Pässe nicht anerkennen wollten.
Die Demonstration am nächsten Morgen haben wir dann natürlich
verschlafen. Wir sollten aber sowieso während der Zeit eher im Haus bleiben.

Am Nachmittag ging es dann zum Cocobeach. Der Abend war ganz angenehm mit dem Meer,
Djemben (Trommeln), einem Feuer, Kanadiern, Franzosen, einem Nigerianer und einem Deutschen :).
Wir waren ca. 15 Leute, haben in Palmenhütten geschlafen und einfach nur relaxt.

strand
Bloß am nächsten Nachmittag um 4, als wir wieder nach Hause wollten, gab es auf der Umgehungsstraße
auf einmal eine Straßenblockade – was wir nur daran merkten, dass uns auf einmal LKWs
im Rückwärtsgang entgegenkamen!
Wir mussten dann durch ein Viertel durch, in dem fast jede Straße, die parallel zur Hauptstraße
verlief blockiert war. Erst war es noch ruhig, aber als wir dann zurück auf die Hauptstraße
wollten, stand auf einmal ein Demonstrant vor uns und warf einen kopfgroßen Stein in
Richtung des Autos vor uns. Während dieses versuchte zu fliehen und wir ausweichen mussten,
hatte der Demonstrant seine Kollegen gerufen und wir waren von 20 wütenden Demonstranten
mit ebensolchen Steinen umringt, die uns anschriehen: “SEID IHR FRANZOSEN?? WENN
IHR FRANZOSEN SEID, SEID IHR TOT, WENN IHR AMERIKANER SEID, IST ES OK!!”
Außer mir waren zum Glück nur Kanadier im Auto, aber ich musste denen dann
meinen Pass geben, habe ihn aber zum Glück am Ende wiederbekommen.
Wir haben dann beschlossen zum Strand zurückzukehren, aber dabei mussten wir noch
durch eine zweite Gruppe durch, die Geld von uns wollte.
Wir waren eines der ersten Autos gewesen, die in das Viertel reingefahren ist, haben also nur
Pech gehabt, aber die Kanadier meinten, so heiß wäre es bisher auch noch nicht
zugegangen. Wenn es etwas passiert, ist es in Lomé. In Kpalimé bleibt es ruhig.

Wir waren dann also noch eine weitere Nacht in Cocobeach, haben Kniffel gespielt und Radio
gehöhrt. Am nächsten Morgen habe ich noch von einem der Kanadier seine
Metal – CDsammlung bekommen, weil er in drei Wochen fährt – mal wieder mehr Abwechslung!
Danach bin ich dann gleich nach Kpalimé zurück. Was für ein Wochenende!

Pommes und Gabun

pommes
Gestern Abend gab es mal wieder Feuer, aber eins zum dran lagern und fritieren :).
Wir wollte für den Großteil der Freiwilligen Pommes machen und für einige noch
ein Hühnchen, dass Johannes, der Bruder von Constantin geschlachtet hatte (er hat
eine emotionale Beziehung dazu aufgebaut – als Medizinstudent, hoffe es gibt keine Spätschäden 🙂 )
Die meisten Freiwilligen sind dann aber schon um Mitternacht wieder gegangen, also haben
Michael, Daniel und ich noch den Rest der Pommes fritiert (richtig knusprig, wie in Deutschland)
und gegessen. Nach ca. 6 Stunden mit Fritieren und Essen hatten wir dann genug und sind auch
schlafen gegangen – 4 Uhr morgens 🙂 – ich habe erst einmal genug Pommes für eine Weile!
Es war auch gleichzeitig der letzte Abend von Johannes, der zwar nur einige Wochen hier
war um mit Constantin in Ghana herumzureisen, aber doch schon irgendwie Teil der Gemeinschaft
wurde. Heute morgen haben wir dann erfahren, dass sein Flug gestrichen wurde, später wurde
aber klar, dass er einfach nur um 2 Stunden verschoben wurde.

Der Präsident ist mittlerweile in Gabun, weil er dorthin eingeladen wurde (als trotz
des Reiseverbots für Regierungsmitglieder). Der dortige Herrscher ist auch ein Diktator
und von der Reaktion der Afrikanischen Union auf diesen Zwischenfall hängt ab, wie
es in verschiedenen anderen afrikanischen Staaten weiter geht, da dort auch Söhne auf
die ” Erbfolge ” warten. Alles schaut auf die afrikanische Union, die bisher noch
nicht ganz so viele große Aufgaben hatte, sich hier beweisen muss und die Feuertaufe
durchlebt. Nach der Meinung vieler unterstützt Frankreich das Regime hier und hat dies
auch schon lange getan. Vielleicht hätten die auch noch einigen Einfluß, wenn sie
den denn geltend machen würden…

Der Präsident will nicht loslassen

Als Faure schließlich verkündete, zu der alten Verfassung zurückzukehren,
also Neuwahlen innerhalb von 60 Tagen abzuhalten,
solange aber selbst an der Macht zu bleiben, war das der Afrikanischen Union nicht genug – sie
verhängte ein Waffenembargo, Ausreiseverbot für Mitglieder der Regierung, die
Ausreise aller Botschafter westafrikanischer Länder aus Togo und den Ausschluss togoischer
Abgeordneter aus Ämtern der westafrikanischen Union. Ob es faire Wahlen gibt, ist auch
mehr als fraglich!

Demo und noch mehr Kanadier :)

Bei der Demonstration der Opposition in Lomé gab es am Samstag 25.000 Teilnehmer,
verletzt wurde anscheinend niemand. Da aber in Lomé an sich die Lage etwas unruhig ist,
haben einige Kanadier aus der Gegend von Quebec (also französischsprachig) mal eine Pause in Kpalimé eingelegt.
Wir haben uns Samstag Abend und Sonntag gut unterhalten und sie verbringen das nächste
Wochenende an einem Kokospalmenstrand und haben mich auch schon eingeladen. ist. 🙂

Präsident organisiert selbst Neuwahlen und Demos mit Stand-MG

Der Präsident hat anscheinend gestern gesprochen (während der Zeit hatten wir
zufällig Stromausfall 🙂 ) und angekündigt, dass er im Amt bleiben wird und bis
zum Ende der 60-tagesfrist Neuwahlen organisieren wird.
Eine Demonstration gab es in Kpalimé, einige von den Schnitzern haben geguckt und
sogar eine Stand-MG mit Sandsäcken gesehen! Seit einiger Zeit sieht man auch schon Jeeps
mit montierter MG und einem Posten dahinter – es ist echt ein anderes Land!!
Es ist uns auch nicht egal, aber irgendwie geht das Leben weiter und man macht das
Beste daraus. Heute morgen haben wir uns Pfannkuchen gemacht, die haben schon fast wie in
Deutschland geschmeckt. Davor noch Volleyball und danach Schwimmbad 🙂

Alles dauert und die Neuen kommen nicht

Mittlerweile steht es fest, dass die Neuen aufgrund der momentanen Lage nicht kommen.
Wir wissen nicht, ab wann wieder welche kommen werden, aber wir sind auch so noch ca. 17 Freiwillige hier.
Der Präsident wurde zu einer Unterredung mit dem nigerischen Präsidenten gebeten,
wurde dort aber nicht mit allen Staatszeremonien empfangen, sondern verschwand gleich hinter
verschlossenen Türen. Verlautbarungen zur Rückkehr zur Verfassung gibt es immer noch
nicht.
Für morgen wurde wieder zu einer Demonstration aufgerufen. Zumindest morgen
scheint sie legal zu sein, da die Mitglieder der Regierung auch eine Demonstration veranstalten.
Sie zahlen sogar jedem Teilnehmer 10.000 CFA (ca. 20 €)!
Dazu wurde es für morgen legal gemacht und auch in Kpalimé findet eine statt!
Morgen ab acht Uhr geht es los.
Das Sportprojekt zur Aidsaufklärung kommt langsam in Gange. Gestern und heute hatten
wir 2 Sitzungen, die fast 4 Stunden gedauert haben. Dabei haben wir zwar vieles der Konzeption
nochmal überarbeitet, ganz fertig damit sind wir aber immer noch nicht…

Der Präsident hält einen hin und die Spannung steigt

Jetzt sind nach 6 Monaten wieder 4 Freiwillige weg, teilweise sehr gute Freunde,
mal gucken, wie lange es braucht, bis die Lücke sich wieder ein bisschen schließt.
Der Präsident soll eigentlich schon seit einiger Zeit sagen, ob er zur alten Verfassung
zurückkehrt oder nicht. Das tut er aber nicht und alle angeküdigten Termine werden zur Farce.
Davon hängt dann ab, ob die afrikanische Union und auch deren Unterstützerländer
(also USA, EU und einige mehr) Sanktionen erheben oder nicht. Die Unterhändler hatten
bisher verlauten lassen, dass die Gespräche gut verlaufen seien, aber bei seinem Verhalten
kommen mir da leichte Zweifel. Mal sehen.