3-4 Tote, Party mit Soldaten, Metal unter Sternenhimmel und 4 Stunden Kirche

Demonstrationen und Tränengas
Am Donnerstag hat eine der oppositionellen Parteien zu einem Friedensmarsch aufgerufen, die
Demonstration wurde aber ziemlich schnell mit Tränengasgranaten auseinander getrieben.
Wegen unabgesprochener Koordination hat eine andere opp. Partei dann auch noch am Freitag
zu einem “Friedensmarsch” aufgerufen. Diesmal sind dabei allerdings 3-4 Menschen gestorben!
Die Delegierten der westafrikanischen Staaten kamen am Freitag in Lomé an, um mit Faure
zu reden. Dieser wollte sie allerdings lieber in Kara empfangen, nahe seiner Geburtstadt, aber auch
eine Soldatenhochburg und das Zentrum seiner Anhänger. Dies lehnten die Delegierten aber ab,
genau so wie Faure später eine Einladung nach Niger. Für heute wurde auch wieder
zu einem Streik aufgerufen.

Da weitere 5 Freiwillige demnächst gehen, hatten wir wieder einmal eine Abschiedsparty.
Da der Staat aber eine 2 monatige Staatstrauer verhängt hat und das Büro von Campagne
fast genau gegenüber der Kaserne von Kpalimé liegt, haben wir im Siège nur das
Nötigste, also Attestationenübergabe und das Essen gemacht. Direkt am Anfang der Party
sahen wir noch, wie die Kaserne von einem weiteren Truppentransporter verstärkt wurde.
Das Ganze ging dann in der Dachbar weiter, nachdem wir noch auf dem Moto von Falk eine
Box und den Verstärker der Campagneanlage hingeschafft hatte – breiter Lastentransport :).
Auf der Party konnten wir dann auch natürlich noch unsere Musik spielen. Falk und
ich wollten dann durch machen und haben uns mit einigen anderen noch mehrere Stunden
mit Metal unter freiem afrikanischen Himmel gegeben – dazu noch die Colas für 50 Cent für einen halben
Liter – wann hat man mal so etwas Geniales :)?!
Am nächsten Morgen bin ich dann noch um 7 Uhr mit Abalo und Dorothea in die Kirche gegangen.
Es fing erst eine Stunde mit Bibelkunde an. Der Glauben ist hier doch ziemlich stark bei den meisten
und auf keinen Fall will jemand ein schlechter Christ sein! Dann kam der eigentliche Gottesdienst.
Das ist hier dann doch ziemlich anderes. Der Pastor schreit viel mehr, ziemlich agressiv. Es war aber
trotzdem lustig, weil der Eweübersetzer direkt neben ihm immer versuchte ihm nach zu eifern
und das Ganze teilweise in ein Rollenspiel ausartete. Die meisten Lieder waren einfach mitreissend und
wer wollte, konnte auch einfach nach vorne kommen und dort dazu tanzen, was auch viele gemacht haben!
Dazu spielte dann eine Kirchenband mit Schlagzeug, E – Gitarre und zwei Sängern, aber einen Chor
mit Trommel gab es auch. Das Ende war dann so gegen 11:15. Nach einem Besuch im Café mit den
anderen und 30 Stunden auf den Beinen habe ich mich dann ins Bett gepackt. Was für ein ereignisreicher
Tag! (oder auch 2)

Faure

Sondergipfel

Die Abgeordneten der Westafrikanischen Staaten haben am 10. eine Sondersitzung zur
Diskussion von eventuellen Sanktionen und Möglichkeiten der Durchsetzung der Demokratie
und kommen dazu nach Lomé. Mittlerweile haben zahlreiche Staaten der westlichen Welt
sich hinter die westafrikanischen Staaten gestellt und legen es erst einmal in ihre Hand, weitere
Schritte zu unternehmen. Davon häng anscheinend auch die Reaktion der Bürger Togos
ab – wir werden den heutigen Tag abwarten!
Die erwartete Generalamnestie ist auf jeden Fall auch erlassen worden, aber eben erst jetzt.
Dabei sind allein in Lomé 1498 Insassen freigelassen worden.
Radio France International, eine internationale Radiostation wird in Togo mittlerweile
gestört bzw. nicht mehr weiter geleitet, da sie “offensichtlich die Opposition unterstützt”.
Demonstrationen sind anscheinend nur bis zum Ende der 60-tägigen Wahlperiode verboten.
Trotzdem will die Opposition zum einem Friedensmarsch aufrufen.

Gefängnis und neue Freiwillige

Die neuen Freiwilligen sind da, aber sie haben eine Taxitour von Cotonou nach Kpalimé
hinter sich – das sind ca. 300 Kilometer, und dass als erste Erfahrung in Afrika! Zumindest sind
sie jetzt heil angekommen.
Bei einem Machtwechsel wird oft eine Generalamnestie erlassen, deshalb hatten sich die
Angehörigen der Gefangenen versammelt, um auf die Gefangenen zu warten, die oft
bis zu 50 Jahren einsitzen müssen.
Die Soldaten vor dem Gefängnis Wache geschoben haben, werteten dies als eine Demonstration
und haben in die Menge geschossen. Dabei sind 8 Menschen ums Leben gekommen.

Langsam kehrt zumindest in Kpalimé wieder vieles zum Alltag zurück.
Der Generalstreik, dem anscheinend doch einige, aber nicht viele gefolgt sind, ist morgen vorbei,
da nur für Montag und Dienstag dazu aufgerufen wurde.
Heute Abend waren wir noch in der Dachbar und haben dort Zota getroffen, eine Künstlergruppe
von Trommlern und Tänzern, mit der einige Freiwillige auch viel Kontakt haben.
Wir haben noch einer Französin auf Deutsch, Englisch, Französisch, Éwé und Spanisch
alles Gute zum Geburtstag gewünscht und uns (unfreiwillig) über deutschen Fußball
unterhalten! Als
wir um ca. 1 Uhr gegangen sind, haben Constantin, Julika und Andrea noch ein Feuer entdeckt
und die Brandstifter waren anscheinend auch nicht weit – vielleicht Nachahmer und die selben
wie beim letzten Mal…

Streikverbot und Verfassungsänderung

Ok, es hat sich ein bisschen getan, wie man Deutschland wohl auch vielleicht ein wenig mitbekommt:

Viele Studenten in Lomé sind nicht in den Unterricht gegangen, sondern haben auf die
Machtübername mit Streik reagiert.

Es gab auch eine große Demonstration in Lomé, bei der Tränengas eingesetzt wurde. Ab dem
heutigen Tag sind alle Demonstrationen verboten!
(Lomé gilt als eine Hochburg der Opposition).

Die Grenzen sind wieder offen. Der vorherige Parlamentspräsident, der zuvor im Ausland
festgehalten wurde, konnte wieder zurückkehren.
Faure Gnassingbé, der älteste Sohn von Eyadéma und vorheriger Kommunikationsminister
hat am Sonntag die Verfassung geändert, wonach der Parlamentspräsident nach dem Ableben
des Präsidenten automatisch für den Rest der Legislaturperiode zum Präsidenten ernannt
wird – am Montag ließ er sich zum Parlamentspräsidenten wählen und damit kurz danach
zum Präsidenten.
Vorher stand in Artikel 65 der Verfassung, dass der Parlamentschef die Regierungsgewalt
für 60 Tage erhält – bis dahin müssen Neuwahlen stattgefunden haben.

Die Amtsübername wird von vielen, auch afrikanischen, Staatschefs scharf verurteilt –
die Franzosen haben ihre Truppen in Alarmbereitschaft versetzt, falls es für ihre Landsleute
gefährlich wird.

Hier in Kpalimé sind derzeit Flugblätter mit dem Aufruf zum Generalstreik im Umlauf –
die Wahrscheinlichkeit, dass dem Folge geleistet wird, wird aber von Einheimischen eher gering eingeschätzt.

Der Chef unserer Organisation (Horace) ist noch in Lomé, um sich unter anderem um die
2 neuen Freiwilligen zu kümmern, die evtl. immer noch in Benin sitzen.

Mal sehen, was passiert. Wir sind noch ruhig, aber wachsam.

Der Tod des Präsidenten und sein Sohn als Nachfolger!

Der togoische Diktator “Gnassingbé Eyadéma” ist tot!

Der Diktator ist tot, es lebe der Diktator…
Es geht mir immer noch gut, aber hier erst einmal, was passiert ist.
Es war der Diktator, der in Afrika am längsten im Amt war (38 Jahre) und mit seiner Politik
die Entwicklung seines Landes sehr behindert hat.
Die Macht hat wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Todes einer seiner Söhne
ergriffen und auch gleich das Militär auf sich vereidigt. Bis dahin war nach den Regeln
der “demokratischen Verfassung” der Premierminister das ranghöchste Regierungsmitglied.
Eyadéma wurde zu einer dringenden Behandlung außer Landes gebracht und ist dort
in den Morgenstunden des Samstag, 5. Februar 2005 verstorben. Seit der Bekanntgabe
in den Abendstunden ist ein Ein- und Ausreiseverbot auf dem Luft-, Land- und Seeweg
verhängt worden, das bis auf Weiteres gültig ist.
Es ist ein ruhiger Machtwechsel zu erwarten, aber bisher ist noch nichts sicher.
WIr sind bei der deutschen Botschaft als deutsche in Togo angemeldet und werden
zur Not informiert und evakuiert.

Am Abend wurden erst Gerüchte laut, dass der Präsident tot sei. Ich habe Menschen
sich so sehr freuen sehen, wie sie seit ihrer Kindheit schon nicht mehr getan haben.
Im lokalen Radio war nichts zu hören und Radio aus Lomé (der Hauptstadt) war nur
schwer zu empfangen. Das Fernsehen gab auch nur ein Standbild her, zu dem christliche
Trauermusik spielte. (Ab und zu wurde das Band zurück gespult oder es ist gerissen –
das Geräusch kann beides gewesen sein 🙂 ) Das Ganze wurde nur durch die stündlichen
Nachrichtensendungen unterbrochen, wo aber auch nur eine Ansprach des Premierministers
zu sehen war. Da das Fernsehen hier zensiert ist (oder zumindest war), sind einige
Freiwillige, ein Afrikaner (Abalo) und ich in eine Bar gegangen, wo es
Satellitenfernsehen, TV5 gab. Dort angekommen, stellten wir zuerst fest, dass Fußball
lief! Nachdem das Spiel noch 10 Minuten gedauert hatte (mit 3 Minuten Nachspielzeit)
und auch die Werbung vorüber war, kamen endlich die Nachrichten. Es ging erst um
Proteste in Frankreich. Der Tod “unseres” Diktators kam nur als eine 10-sekündige
Randnotiz, aber anscheinend hatten noch nicht alle Besucher der Bar davon gewusst –
sie fingen an mit Bier und Cola wie mit Champagner zu feiern, was sich aber nach
kurzer Zeit wieder legte, da all zu offensichtliches Verhalten hier immer noch
gefährlich werden kann und man nicht weiß, wie es weiter geht.
Auf der Straße groß gefeiert hat keiner, aber einige zogen herum und haben leise
gesungen. Überall werden mittlerweile Wertsachen in Sicherheit gebracht,
weil man nicht weiß, ob sich jetzt einige Menschen “etwas freier” fühlen.
Als wir noch im Case waren, um die 10 Uhr Nachrichten zu verfolgen, hielt
erst der oberste General eine Rede, bei der er verkündete, alle Soldaten seien
angewiesen, die Menschen ruhig zu halten. (Auch ein Grund mehr, auf der Strecke
nach Lomé Schmiergelder für’s Weiterfahren zu verlangen – vor 3 Jahren lagen sie
bei 500 CFA (80 Cent), mittlerweile gibt es keine solchen Scheine mehr, der Nächste
ist der 1000er. Es gibt drei Posten auf dem Weg nach Lomé.) Danach sah man noch
die Vereidigung der Soldaten auf den Sohn und nun schreibe ich das Ganze nieder.
Morgen werden wir sehen, wie es weiter geht…

Geschichte:

“Seine Exzellenz Gnassingbé Eyadéma” hat im Jahre 1967 durch einen Militärputsch
gegen die erste demokratische gewählte Regierung nach der Unabhängigkeit von
Frankreich am 27.4.1960 die Macht erlangt.
Die Unfähigkeit der Regierung, Arbeit für u.a. 600 ehemalige Soldaten der französischen
Armee zu finden, endete am 13. Januar 1963 in einem Staatsstreich, an dem auch
Eyadéma beteiligt war. Olypio wurde ermordet und Nicolas Grunitzky übernahm die Regierung.
Am 13.1.1967 wurde Grunitzky von den Militärs unblutig gestürtzt, Parlament und
Parteien wurden aufgelöst und eine Militärregierung proklamiert, die mit Abänderungen
bis Samstag bestand.

Da bei den Präsidentschaftwahlen im August 1993 auch keine fairen Wahlen zu erwarten
waren, reiste der Wahlbeobachter Jimmy Carter am Vorabend der Wahl schon wieder ab.
Es ging der Amtsinhaber Gnassingbé Eyadéma mit 96,4% der Stimmen offiziell als
Sieger hervor. Ihm standen nur unbedeutende Oppositionskandidaten gegenüber, da die
wichtigsten ihre Bewerbungen zurückgezogen hatte, da sie Eyadé der Fälschung der
Wählerlisten beschuldigten. Offiziell lag die Wahlbeteiligung bei 36,1% (laut
französischen Wahlbeobachtern bei max. 30%). 15 Oppositionelle waren in Gewahrsam
genommen worden und kame später ums Leben, ob durch Ersticken oder durch vergifetete
Nahrung, überbracht durch Anhänger, ist bisher ungeklärt.
Über 40.000 Togoer (davon 25.000 allein aus Lomé) waren bereits im Februar 1993
in die Nachbarländer Ghana und Benin geflohen, da sie den Ausbruch eines Bügerkriegs
befürchteten; die meisten sind bis heute dort geblieben, da sie Vergeltung fürchten,
wenn sie zurückkehren.

Ein erneuter Putschversuch im Januar 1994, bei dem etwa 40 Menschen ums Leben kamen,
hat die Lage noch weiter verschärft. Die Grenzen zu den Nachbarländern wurden
vorrübergehend geschlossen.

Im Juli 2003 wurde Eyadéma zum dritten Mal in seinem Amt als Präsidenten bestätigt,
nachdem er erst kurz zuvor die dritte Wiederwahl im Gesetz ermöglicht hatte.

Mir geht es noch gut, aber ich weiss nicht, ob ich dieses Land verlassen muss,
oder ob es stabil bleibt.

Übergeschnappte Minister, der größte Wasserfall Togos und besoffene Pförtner

Tina ist nun nach sechs Monaten gegangen. Irgendwie schon komisch. Sie ist eine Woche nach
mir gekommen, jetzt sind noch Konstantin und Peter da, aber die anderen alle mindestens einen
Monat weniger.
Als wir sie zum Flughafen gebracht haben (Horace und ich, ich musste noch mein Visum verlängern,
deshalb war ich sowieso in Lomé), dauerte alles mal wieder ein bisschen länger, aber
das Einchecken lief ohne Probleme (auch das verschicken der Djembe aus Tropenholz).
Als sie dann abgeflog, mussten Horace und ich noch nach dem Gepäck eines anderen Freiwilligen
fragen, das nicht am selben Tag angekommen war. Nachdem wir um ca. 11 Uhr den Flughafen verließen,
mussten wir noch am Pförtner vorbei. Der hatte aber schon so viel getrunken, dass er selbst
nach mehrmaligen Hupen nicht aufgewacht ist. Als wir 5 Minuten hupend vor ihm standen und ihm das
Parkticket gegeben hatten, versuchte er dieses weitere 5 Minuten durch das Kassendisplay zu ziehen,
was ihm natürlich nicht gelang (der eigentliche Schlitz war einen halben Meter weiter unten).
Leider sagte Horace schon “es macht 500 CFA, falls sie es wissen wollen” bevor ich meine
Kamera draußen hatte – schade aber auch!

Dieses Wochenende war ich dann mit einigen anderen Freiwilligen am größten Wasserfall
Togos. Den Ausflug hatte ich mit einem Freund zusammen organisiert, der dort oben auch eine
Nicht-Regierungsorganisation aufzieht und nachhaltigen Tourismus einführen will. Es war
schön, aber vieles hatte ich schon einmal gesehen.

Das “Festival du Théâtre Scolaire” scheint wohl für dieses
Jahr abgeblasen zu sein. Horace hatte erst bei den verschiedenen Institutionen wegen der Authorisationen
nachgefragt und auch bekommen, meist mit den besten Glückwünschen, dass so etwas
kulturelles überhaupt noch stattfindet. Auch der Direktor für allgemeinbildende Schulen
hatte schon zugesagt, aber der Minister sperrte sich. Als wir noch einen Brief geschrieben haben,
in dem wir fragten, wieso der Plan denn “schon zu voll” war (wie er sagte), und dass die anderen
Minister und zuständigen Behörden mit Beifall zugestimmt hatten, ist er anscheinend ausgerastet.
Auf einer öffentlichen Rede in Atakpamé sagte er: ” Die hier zuständige
Direktion hat zu viel Macht und sagt zu vielen Sachen zu. Das unterbinde ich jetzt, indem
alle NROs in Togo ab jetzt nicht mehr an gemeinbildenden Schulen Aktionen durchführen dürfen!”
Damit sind jetzt schon 500 € ausgegeben, aber dieses Jahr gibt es wohl nichts mehr! Es steckte echt viel
Arbeit dahinter!

Blinde, Voodoofestival, Filmfestival und Machtergreifung

Letzten Freitag habe ich einen der Sehbehinderten aus dem Blindenzentrum zu Hause
besucht. Es war interessant, mit ihm zu reden und wir haben auch ein blindes Ehepaar
in der Nähe besucht, das schon ein bisschen älter war. Sie können beide
nicht arbeiten und wurden bisher vom Blindenzentrum mit versorgt, aber das soll demnächst
aufhören und sie wissen noch nicht, wie es weitergehen soll, da die Nachbarn sie
auch nicht ständig versorgen können. Hier ist ja sogar Wasser holen zum Trinken
oder Waschen ein Akt. Als sie vor einiger Zeit in der Kirche waren, wurden sie auch
bestohlen, man hatte ihnen das Brot und ihre Kohle gestohlen. Das ist wirklich eine Frechheit!

Am Sonntag wollte ich dann mit Michael auf das Voodoofestival in Benin, da wir das kleinere
ja verpasst hatten. Da er aber zZ noch eine andere Organisation sucht, wo er seinen Zivi
machen kann, hatte er Montag morgen ein Bewerbungsgespräch. Da hieß es dann
alleine oder gar nicht. Ende Februar wollte ich auch noch auf das Pan-Afrikanische
Filmfestival, aber wie ich gemerkt habe, ist da mein eigenes Theaterfestival, also
ging das auch nicht. Bevor ich ganz zu Hause bleibe, bin ich dann allein gegangen …

… und das war ein Erlebnis! Ich bin erst Montag morgen gefahren und dann 5 Stunden
durch bis nach Benin. Auf dem Weg sah ich auch einen LKW, dem die Hinterachse weggebrochen war,
während er führ. Er lag dann im Straßengraben und es standen einige
Menschen mit traurigen Gesichtern darum. Ich konnte nicht alles erkennen, aber es war
gut möglch, dass es auch Tote gegeben hatte, da oft welche auf LKWs und anderen
Transportgelegenheiten illegal mitfahren.

Ich kam etwa gegen Mittag an und habe eine Herberge gesucht. Das Festival
ist das gröste seiner Art im Benin und existiert erst seit einigen Jahren,
seitdem Voodoo als Religion anerkannt wurde. Als ich etwa gegen 2 auf das Festival
wollte, war die Eröffnung schon vorbei (ich habe mir dann noch einen Führer
gesucht), aber es gab noch einige Tänze und später noch die
“Zurückgekehrten”; komplett verkleidet stellten sie die Geister
der Ahnen aus der Unterwelt da und haben getanzt, Leute erschreckt und sind gegen Mitternacht
noch durch die Straßen gezogen um jeden zu töten, der ihnen über den Weg
läuft.
Das Tanzen am Anfang war direkt am Strand, wo es auch ein UNESCO Mahnmal gibt, am
“point of no return”. Hier wurden früher die Sklaven eines großen
Teils von Westafrika nach Amerika verschifft (auch von Togo). Die Straße dahin heißt
“Straße der Sklaven (Route des Esclaves) ” und ist ca. 4 Kilometer lang. Die bin
ich mit dem Führer zu Fuß gegangen und bin dabei auf dem Rückweg auch beim Sklavenmarkt
vorbei gekommen. Es gibt dort auch verschiedene Mahnmale und Reliefs an den Wänden,
aber sie fangen auch schon an, dort jetzt ein Hotel zu bauen!

Auf dem Weg zum Strand stellte ich auch fest, dass es zur selben Zeit auch ein internationales
Filmfestival gab, das von der Beninisch-Französischen Gesellschaft “Quintessence” schon zum dritten
Mal abgehalten wurde. Dies war das erste Jahr, in dem alle Vorstellungen kostenlos waren :).
Das Ganze hatte schon am 7. Januar angefangen und ging bis zum 11. (ich kam am 10. an).
Am ersten Abend ging ich nach dem Voodoofestival noch zum Filme gucken. Es gab richtige
Kinosessel in einer Strohhütte(!) und wann hat man schon mal Fledermäuse, die
vor der Leinwand hin und her fliegen. 🙂 Ich war dann so gegen 11 Uhr im Bett. Kurze Zeit später hörte ich dann noch die Zurückgekehrten
um die Häuser streifen und die Bewohner rufen, um sie zu verjagen.

Es gab zum größten Teil afrikanische Filme, die dokumentarisch oder als Spielfilm
die Geschichte von Flüchtlingen, lokalen Musikern oder einfach der Bevölkerung
erzählten. Diese Filme waren so interessant gemacht, dass sie richtig mitreißend waren
– mindestens so unterhaltsam wie die meisten Hollywoodfilme, und das bei Dokumentationen!
Zwei der Filme habe ich auch gekauft, sie existieren teilweise erst seit 4 Tagen! Dadurch
habe ich auch einen der Verantwortlichen kennen gelernt, der mir letztendlich auch
einen kostenlosen Schlafplatz für die zweite Nacht besorgt hat. Dadurch konnte
ich die Abschlußzeremonie auch verfolgen und den pämierten Film auch noch sehen.
Zudem gab es noch kostenloses Abendbrot :). Am nächsten Morgen war ich dann noch
im Heiligen Wald, der Oudiah einer Voodoohochburgen im Benin ist.
Erst am 2. Tag abends hatte ich überhaupt gemerkt, dass Benin eine Stunde weiter ist,
also deutsche Zeit hat – und dass, obwohl es von mir aus nur 100 Kilometer
Richtung Osten ist! Das Festival hatte insgesamt ca. 30.000 Besucher.

Während des Festivals habe ich auch einen Musiker aus dem Benin kennen gelernt,
der R’n’B dort bekannt machen will, aber bisher noch nicht die Mittel hatte, mehr als
zwei Lieder im Studio aufzunehmen. Es war aber schon lustig, als er die Musik dann in
der Empfangshalle des Festivals laufen ließ und wird uns dann daneben gesetzt haben,
um die Reaktion zu sehen, sie waren durchaus positif :).

Wie sich später herausstellte, musste ich für den Schlafplatz warten, bis die Afterparty zuende war, da er
einer der Veranstalter war. Das war dann um 4:30 morgens der Fall, solange hatte ich dann
in einem der Busse geschlafen. Um 8 Uhr morgens musste ich dann schon wieder los, um
vor dem Ablauf meines Visums an der Grenze zu sein.
An der Grenze gab es nur ein 48 Stundenvisum für 10.000 CFA (17€). Nach 47 Stunden war ich
zurück. Während dieser Zeit hatte ich dann aber so viel erlebt, dass es
sich auf jeden Fall gelohnt hatte (auch, für 3 Tage 70 € auszugeben)
und ich auch gar nicht länger bleiben wollte.

Heute (Donnerstag, den 13. Januar) ist der Feiertag der Machtergreifung von Eyadema.
Weil es dafür große Paraden gibt, nicht nur vom Militär, sondern
sogar von Grundschulen(!), waren weite Teile von Lomé auch schon gesperrt,
als ich zurückkam. Es war eine lange Umleitung…
Heute gab es dann auch bei uns die Parade. Der Teil, en ich mitbekommen habe, bestand
fast nur aus Grundschulen, die alle im Gleichschritt marschiert sind und Eyadema
dafür gefeiert haben, dass er “Frieden bringt”. Es ist halt eine
Diktatur…

Filmabend und Harmattan

Und wieder einmal haben wir einen Videoabend eingelegt. Diesmal hatten wir uns
ja in Lomé die drei Filme geholt. Zum Gucken hatten wir ein paar Leute eingeladen,
letztendlich kamen aber nur 3: Falk, Michael und Ich. Die große Stereoanlage von
Campagne haben wir uns dieses Mal aber auch dazu geholt! Wir haben um 19:30 angefangen
und haben letztendlich alle drei Filme geguckt. Der Letzte lief zwar nicht ganz, aber
es war auf jeden Fall lustig und um 2:30 dann auch “schon wieder” vorbei.

Mittlerweile sind wir auch im Harmattan. Das heißt, dass die Temperatur tagsüber
bei ca. 20 Grad liegt, es dabei ziemlich windig ist und ständig Wüstenstaub in
der Luft liegt und innerhalb von einem halben Tag alles mit einer dicken Staubschicht bedeckt.
Das Ganze soll noch bis Ende Februar dauern. Im März / April ist dann eigentlich wieder
der heißeste Monat des Jahres.
Zumindest gibt es jetzt wieder Cola und andere nicht-alkoholische Getränke, die
seit Neujahr gefehlt hatten (in ganz Togo). Einen ähnlichen Fall gab es auch gerade
erst mit einer Zigarettenmarke, die für etwa 2 Monate nicht mehr produziert wurde, jetzt
aber zurückkommt (keine Angst, ich bin immer noch Nichtraucher!).

Lomé und Überraschungsparty

Wegen Projekten und einem Motorrad für Michael waren wir gestern in Lomé.
Es ging um 5 Uhr morgens los und war sogar kalt auf dem Moto, aber mit dem Mantel ging es.
Als wir ankamen, haben wir gleich erst einmal einen Unfall mitbekommen. Wir haben später
noch gebrannte DVD’S gekauft, für 5 € das Stück: Kill Bill 2, Chronicles of Riddick
und last Samurai. Die sollen auf Englisch sein mit Französischen Untertiteln, mal sehen :).
Als wir um 8 Uhr abends zurückkamen, war mein Haus auf einmal voll von Freiwilligen und Schnitzern.
Da Ellen nach 3 Monaten heute geht, hat sie gestern noch eine Abschiedsparty gefeiert, von der aber nicht
mehr viele gewußt hatten. Diese war eher ruhiger und dadurch auch angenehmer, aber irgendwann haben
einige Afrikaner (leicht angetrunken) die Stille nicht mehr ertragen und wieder voll aufgedreht. Ich wollte
sowieso ins Bett :).

Leider gibt es komischerweise seit drei Tagen weder Cola, noch sonst irgendwelche nicht-alkoholischen
Getränke in weder Kpalimé noch Lomé, also wahrscheinlich in ganz Togo!
Leider trinke ich nicht wirklich so viel Bier!

Neujahr und neue Mitbewohner

Am Morgen danach wurde uns spontan mitgeteilt, dass wir am Abend noch ein gemeinsames
Abendessen zusammen mit allen Freiwilligen (die nicht gerade auf Reisen waren) und deren
Gastfamilien hätten. Dabei gab es dann Salat, Erbsen und fritierte Bananen. Das Ganze war
ruhig und mal eine Abwechslung zu den üblichen Parties – nochmal sehr angenehm.
Falk, Swaantje und ich wollten danach dann noch einen Film gucken. Wir haben uns erst für
Kill Bill 1 entschieden (wir haben die Filme auf Falks Laptop geguckt). Dann wurde es zu spät
für Swaantje, als Falk und ich spontan noch Blade II hinten dranhängen wollten.
Falk hat sie also noch Hause gebracht und ich ging Colas holen. Auf den Straßen war diese
Tage richtig was los, im Gegensatz zu sonst. Also musste ich auch wegen der Colas warten. Dabei
kam ein Afrikaner mit dunklem Mantel herrein. Der Mantel sah interessant aus, ein Zweireiher und
ein bisschen länger als die Knie. Ich fragte den Besitzer, wieviel der Mantel kosten würde,
und er sagte 7.000 CFA (10 €). Auf die Frage, wo man den denn kaufen könne, sagte er, dass
es ein Geschenk von seinem Bruder aus Paris sei, aber wenn ich ihm das Geld gebe, könne ich ihn haben!
So ging es mit dunklem Mantel und Cokes zu Blade II. Ach ja, der “Verkäufer” hieß Bismarck :).

Gestern habe ich dann noch erfahren, dass in das Zimmer neben mir zwei afrikanische Mädchen einziehen sollen.
Deren Vater hat eine Mission in Kameroon und sie bleiben für mindestens 6 Monate. Sie sind zwischen 18 und 20 Jahre
und gehen hier noch zur Schule. Sie sind noch nicht da. Mal gucken, ob sich das Ganze hier dann eher
wie eine Familie anfühlt.