Gefängnis und neue Freiwillige

Die neuen Freiwilligen sind da, aber sie haben eine Taxitour von Cotonou nach Kpalimé
hinter sich – das sind ca. 300 Kilometer, und dass als erste Erfahrung in Afrika! Zumindest sind
sie jetzt heil angekommen.
Bei einem Machtwechsel wird oft eine Generalamnestie erlassen, deshalb hatten sich die
Angehörigen der Gefangenen versammelt, um auf die Gefangenen zu warten, die oft
bis zu 50 Jahren einsitzen müssen.
Die Soldaten vor dem Gefängnis Wache geschoben haben, werteten dies als eine Demonstration
und haben in die Menge geschossen. Dabei sind 8 Menschen ums Leben gekommen.

Langsam kehrt zumindest in Kpalimé wieder vieles zum Alltag zurück.
Der Generalstreik, dem anscheinend doch einige, aber nicht viele gefolgt sind, ist morgen vorbei,
da nur für Montag und Dienstag dazu aufgerufen wurde.
Heute Abend waren wir noch in der Dachbar und haben dort Zota getroffen, eine Künstlergruppe
von Trommlern und Tänzern, mit der einige Freiwillige auch viel Kontakt haben.
Wir haben noch einer Französin auf Deutsch, Englisch, Französisch, Éwé und Spanisch
alles Gute zum Geburtstag gewünscht und uns (unfreiwillig) über deutschen Fußball
unterhalten! Als
wir um ca. 1 Uhr gegangen sind, haben Constantin, Julika und Andrea noch ein Feuer entdeckt
und die Brandstifter waren anscheinend auch nicht weit – vielleicht Nachahmer und die selben
wie beim letzten Mal…

Prison and new volunteers

The new volunteers have arrived, but they already had a taxi ride of about 300 kilometres
from Cotonou to Kpalimé. At least they arrived savely!

When a new ruler raises to power, sometimes they call out a general amnesty, so the
families of the inmates in Lomé gathered in front of the prison. The soldiers on watch
thought that it was a demonstration, so they shot at them killing eight people.

Slowly things are going back to normal, at least in Kpalimé.
The call for a strike, that had been sent out has been followed by some, but not many and
has only been called for monday and tuesday.

Tonight we still went into the rooftop bar and met Zota there, an artistic group of drummers
and dancers, with whom some volunteers also have a lot of contact.
We still sang happy birthday in German, English, French, Éwé and Spanish
and taked (unvoluntarily) about German soccer! When we left at about
1 am, Constantin, Julika and Andrea had seen a fire and the people responsible were not
far off – maybe they were imitators of what that already taken place or maybe even the same
people…

Streikverbot und Verfassungsänderung

Ok, es hat sich ein bisschen getan, wie man Deutschland wohl auch vielleicht ein wenig mitbekommt:

Viele Studenten in Lomé sind nicht in den Unterricht gegangen, sondern haben auf die
Machtübername mit Streik reagiert.

Es gab auch eine große Demonstration in Lomé, bei der Tränengas eingesetzt wurde. Ab dem
heutigen Tag sind alle Demonstrationen verboten!
(Lomé gilt als eine Hochburg der Opposition).

Die Grenzen sind wieder offen. Der vorherige Parlamentspräsident, der zuvor im Ausland
festgehalten wurde, konnte wieder zurückkehren.
Faure Gnassingbé, der älteste Sohn von Eyadéma und vorheriger Kommunikationsminister
hat am Sonntag die Verfassung geändert, wonach der Parlamentspräsident nach dem Ableben
des Präsidenten automatisch für den Rest der Legislaturperiode zum Präsidenten ernannt
wird – am Montag ließ er sich zum Parlamentspräsidenten wählen und damit kurz danach
zum Präsidenten.
Vorher stand in Artikel 65 der Verfassung, dass der Parlamentschef die Regierungsgewalt
für 60 Tage erhält – bis dahin müssen Neuwahlen stattgefunden haben.

Die Amtsübername wird von vielen, auch afrikanischen, Staatschefs scharf verurteilt –
die Franzosen haben ihre Truppen in Alarmbereitschaft versetzt, falls es für ihre Landsleute
gefährlich wird.

Hier in Kpalimé sind derzeit Flugblätter mit dem Aufruf zum Generalstreik im Umlauf –
die Wahrscheinlichkeit, dass dem Folge geleistet wird, wird aber von Einheimischen eher gering eingeschätzt.

Der Chef unserer Organisation (Horace) ist noch in Lomé, um sich unter anderem um die
2 neuen Freiwilligen zu kümmern, die evtl. immer noch in Benin sitzen.

Mal sehen, was passiert. Wir sind noch ruhig, aber wachsam.

Strikes and an Amendment

Ok, a little bit has changed down here, as you might have noticed yourself in the news:

A lot of students did not go to university on Monday, but reacted on the taking over of
power with a strike.

There has also been a big demonstration in Lomé, where they used gas. From tomorrow
on, strikes are forbidden by presidential order!(Lomé is know as a oppositional center).

The borders are open again. The former leader of the parliament, who had been kept
outside the country up to now, could come back.

Faure Gnassingbé, the oldest son of Eyadéma and former minister of communcations changed
the constitution on sunday, so that after the death of the president, the leader of the
parliament becomes the new President for the rest of the legislative period – on monday he
got elected as the leader of the parliament and a little later as the president.

Before the amendment, the article 65 of the constitution said, that the leader of the
parliament becomes the leader of the state for 60 days, after which there has to be an
election for the new president.

The take over has been criticized by many, also african, leaders – the french mobilized
their troops, in case that they have to protect their countrymen.

Her in Kpalimé hand outs are beeing spread, calling for a strike – the possibility, that
this becomes reality, is seen as little by the locals.

The president of our organisation (Horace) is still in Lomé, the fetch the 2 new voluteers,
who might still be in Benin.

We will see what happens. We are calm, but on guard.

Der Tod des Präsidenten und sein Sohn als Nachfolger!

Der togoische Diktator “Gnassingbé Eyadéma” ist tot!

Der Diktator ist tot, es lebe der Diktator…
Es geht mir immer noch gut, aber hier erst einmal, was passiert ist.
Es war der Diktator, der in Afrika am längsten im Amt war (38 Jahre) und mit seiner Politik
die Entwicklung seines Landes sehr behindert hat.
Die Macht hat wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Todes einer seiner Söhne
ergriffen und auch gleich das Militär auf sich vereidigt. Bis dahin war nach den Regeln
der “demokratischen Verfassung” der Premierminister das ranghöchste Regierungsmitglied.
Eyadéma wurde zu einer dringenden Behandlung außer Landes gebracht und ist dort
in den Morgenstunden des Samstag, 5. Februar 2005 verstorben. Seit der Bekanntgabe
in den Abendstunden ist ein Ein- und Ausreiseverbot auf dem Luft-, Land- und Seeweg
verhängt worden, das bis auf Weiteres gültig ist.
Es ist ein ruhiger Machtwechsel zu erwarten, aber bisher ist noch nichts sicher.
WIr sind bei der deutschen Botschaft als deutsche in Togo angemeldet und werden
zur Not informiert und evakuiert.

Am Abend wurden erst Gerüchte laut, dass der Präsident tot sei. Ich habe Menschen
sich so sehr freuen sehen, wie sie seit ihrer Kindheit schon nicht mehr getan haben.
Im lokalen Radio war nichts zu hören und Radio aus Lomé (der Hauptstadt) war nur
schwer zu empfangen. Das Fernsehen gab auch nur ein Standbild her, zu dem christliche
Trauermusik spielte. (Ab und zu wurde das Band zurück gespult oder es ist gerissen –
das Geräusch kann beides gewesen sein 🙂 ) Das Ganze wurde nur durch die stündlichen
Nachrichtensendungen unterbrochen, wo aber auch nur eine Ansprach des Premierministers
zu sehen war. Da das Fernsehen hier zensiert ist (oder zumindest war), sind einige
Freiwillige, ein Afrikaner (Abalo) und ich in eine Bar gegangen, wo es
Satellitenfernsehen, TV5 gab. Dort angekommen, stellten wir zuerst fest, dass Fußball
lief! Nachdem das Spiel noch 10 Minuten gedauert hatte (mit 3 Minuten Nachspielzeit)
und auch die Werbung vorüber war, kamen endlich die Nachrichten. Es ging erst um
Proteste in Frankreich. Der Tod “unseres” Diktators kam nur als eine 10-sekündige
Randnotiz, aber anscheinend hatten noch nicht alle Besucher der Bar davon gewusst –
sie fingen an mit Bier und Cola wie mit Champagner zu feiern, was sich aber nach
kurzer Zeit wieder legte, da all zu offensichtliches Verhalten hier immer noch
gefährlich werden kann und man nicht weiß, wie es weiter geht.
Auf der Straße groß gefeiert hat keiner, aber einige zogen herum und haben leise
gesungen. Überall werden mittlerweile Wertsachen in Sicherheit gebracht,
weil man nicht weiß, ob sich jetzt einige Menschen “etwas freier” fühlen.
Als wir noch im Case waren, um die 10 Uhr Nachrichten zu verfolgen, hielt
erst der oberste General eine Rede, bei der er verkündete, alle Soldaten seien
angewiesen, die Menschen ruhig zu halten. (Auch ein Grund mehr, auf der Strecke
nach Lomé Schmiergelder für’s Weiterfahren zu verlangen – vor 3 Jahren lagen sie
bei 500 CFA (80 Cent), mittlerweile gibt es keine solchen Scheine mehr, der Nächste
ist der 1000er. Es gibt drei Posten auf dem Weg nach Lomé.) Danach sah man noch
die Vereidigung der Soldaten auf den Sohn und nun schreibe ich das Ganze nieder.
Morgen werden wir sehen, wie es weiter geht…

Geschichte:

“Seine Exzellenz Gnassingbé Eyadéma” hat im Jahre 1967 durch einen Militärputsch
gegen die erste demokratische gewählte Regierung nach der Unabhängigkeit von
Frankreich am 27.4.1960 die Macht erlangt.
Die Unfähigkeit der Regierung, Arbeit für u.a. 600 ehemalige Soldaten der französischen
Armee zu finden, endete am 13. Januar 1963 in einem Staatsstreich, an dem auch
Eyadéma beteiligt war. Olypio wurde ermordet und Nicolas Grunitzky übernahm die Regierung.
Am 13.1.1967 wurde Grunitzky von den Militärs unblutig gestürtzt, Parlament und
Parteien wurden aufgelöst und eine Militärregierung proklamiert, die mit Abänderungen
bis Samstag bestand.

Da bei den Präsidentschaftwahlen im August 1993 auch keine fairen Wahlen zu erwarten
waren, reiste der Wahlbeobachter Jimmy Carter am Vorabend der Wahl schon wieder ab.
Es ging der Amtsinhaber Gnassingbé Eyadéma mit 96,4% der Stimmen offiziell als
Sieger hervor. Ihm standen nur unbedeutende Oppositionskandidaten gegenüber, da die
wichtigsten ihre Bewerbungen zurückgezogen hatte, da sie Eyadé der Fälschung der
Wählerlisten beschuldigten. Offiziell lag die Wahlbeteiligung bei 36,1% (laut
französischen Wahlbeobachtern bei max. 30%). 15 Oppositionelle waren in Gewahrsam
genommen worden und kame später ums Leben, ob durch Ersticken oder durch vergifetete
Nahrung, überbracht durch Anhänger, ist bisher ungeklärt.
Über 40.000 Togoer (davon 25.000 allein aus Lomé) waren bereits im Februar 1993
in die Nachbarländer Ghana und Benin geflohen, da sie den Ausbruch eines Bügerkriegs
befürchteten; die meisten sind bis heute dort geblieben, da sie Vergeltung fürchten,
wenn sie zurückkehren.

Ein erneuter Putschversuch im Januar 1994, bei dem etwa 40 Menschen ums Leben kamen,
hat die Lage noch weiter verschärft. Die Grenzen zu den Nachbarländern wurden
vorrübergehend geschlossen.

Im Juli 2003 wurde Eyadéma zum dritten Mal in seinem Amt als Präsidenten bestätigt,
nachdem er erst kurz zuvor die dritte Wiederwahl im Gesetz ermöglicht hatte.

Mir geht es noch gut, aber ich weiss nicht, ob ich dieses Land verlassen muss,
oder ob es stabil bleibt.

The dictators death and his son as the new dictator.

The togoian dictator “Gnassingbé Eyadéma” is dead!

The dictator is dead, long live the dictator…

I am still doing fine, but here is what happened.
He was the ditator that was the longest in office (38 years) and slowed down
the developpement of his country severely. He was the 8th richest man in the world.
On of his sons took over the power and was inaugurated by the military
just hours after the death was proclaimed. Up to then, the prime minister was
according to the “democratic Constitution”
officially the highest official of the nation.
Eyadéma had been brought out of the country due to urgent treatment and died
in the morning on saturday, the 5th february 2005. Since the official announcement
all either ground, air or naval travel in and out of the country had been halted
until further notice. It seems to be a calm change of power, but nothing is for
shure, yet.
We are registered at the german embassy and will be informed and evacuted if there
ist the need for it.

Throughout the evening the rumor spread that the president was no more and I saw
people dance as they did not since their childhood.
The local radio had nothing on his death and did not even mention it. Radio from
Lomé (the capital) was too difficult to get.
The television only had a stand-by picture and played christian music. (Every once
in a while the tape was rewound or ripped apart – the sound could have been both 🙂 .)
It ws only interupted by the news every hour, but there they also only played the
announcement of the prime minister. Since television is censored in this state (or
at least it was), we (some other volunteers, Abalo (an african) and I) went to
a lokal bar where they have satellite television (TV5).
Once arrived, we noticed that soccer was on! After another 10 minutes and 3 minutes
overtime plus some commercials finally the news where on. It was first about some
protests in France. The death of “our” dictator was only a short 10 second
notice, but apparently not all the visiters of the bars had already heard it.
They started to celebrated with Coke and beer as with champaign but stopped after
a while, since it is still not secure to show your opinion about the dictator’s
family in public and one does not know the outcome of this.
Nobody on the street celebrated too much, but some chanted quietly. Everywhere
things where beeing brought into savety, since nobody knows if now some people are
feeling a little less “restrained”
When we still went into the “la Case” to see the 10pm news, the highest
general was still holding a speech, saying that the military fores will keep the
people quiet. (Also another reasing to take bribes on the route to Lomé to
“continue the ride” – three years ago the price was at about
500 CFA (1 Buck), by now there are no more 500 bills, the next one is a thousand.
There are 3 posts on the way to Lomé.) After that we still saw the pledge
of allegiance to the dictator’s son and by now I am writing all that down. We will
see more tomorrow…

History:

“His excellence Gnassingbé Eyadéma” came into power
in 1967 by a military uprising against the first democratic government after the
independence from France on the 27th of april 1960
The lack of the government to find work for 600 former soldiers of the French army
resulted in a coup d’état on january 13th, 1963 in which Eyadéma took part.
Olypio was murdered and Nicolas Grunitzky took over the presidency.
On january 13th, 1967 Grunitzky was relieved from his post without bloodshed,
parliament and parties were abolished and a military government was proclaimed, that
was with minory changes in effect until now.

In july 2003 Eyadéma was reelected for a third time after he had just made
it possible through an amendment of the constitution.

I am still doing fine, but I don’t know whether I have to go or if the situation
will be stable.