Ausreise

Über Nacht ist das Goetheinstitut in Lomé von Soldaten demoliert
und angezündet worden – dementsprechend wurde es auch für Weiße gefährlich
und wir mußten nach Ghana asureisen (was sich nach längerer Diskussion über
Ghana oder Benin herrausstellte). Die deutsche Botschaft sollte ihr Pendant in Accra anrufen
und dafür sorgen, dass wir an der Grenze Visa bekommen, wo es normalerweise nicht geht.
Hat sie aber nicht!
Der erste Grenzposten hatte kein Telefon, konnte uns aber weiter in Landesinnere zum nächsten
begleiten, wo sie zwar ein Telefon, aber keine Vollmacht zum Visa-Austellen hatten. Dafür
sollten wir nach Ho gehen, was aber nochmal 80km waren. Das wollten aber unsere Fahrer
nicht mehr mitmachen, von denen einer schon seinen Pastis an die Zollbeamten verloren hatte,
nachdem diese das versuchte Schmuggeln aufgedeckt hatten.
Der freundlich Beamte von der Immigration hat versucht für uns ein Auto zu finden, hat aber
bis zum Abend in 5 verschiedenen Dörfern nichts Passendes gefunden. Also haben wir unsere
Pässe bei den Zollbeamten gelassen und sind in unser Nachtquartier gefahren, ein Safarihotel
(“Waterfall Lodge”) unter der Leitung von Deutschen. Die Besitzerin kam sogar aus Neumünster
und ihre Oma wohnt in der selben Straße wie ich :).
Am nächsten Morgen wollte wir dann noch Ho, aber kurz nachdem wir eine Stunde den Bus gesucht
zwei Stunden lang aufgeladen hatten, kamen zwei Beamte der Einwanderungsbehörde
und berichteten von einer weiteren Flüchtlingsgruppe von 850 Togoern, wofür
alle Beamten gebraucht wurden, so dass uns keiner begleiten konnte und wir folglich den Ort nicht
verlassen durften. Es war ein Samstag Morgen, Sonntag war frei, Montag 1.Main, also ein Feiertag,
deshalb mussten wir bis Dienstag warten – solange sollten wir also illegale Einwanderer sein :).
Im Laufe des Tages wurde noch die amerikanische Botschaft auseinander genommen. Horace fuhr
ach Kpalimé zurück. Den Abend haben wir dann in einer anderen Herberge verbracht.
Tagsüber sollten wir immer noch in der “Waterfall Lodge” bleiben, nachts dann dort
übernachten.
Vorher war ich mit der Besitzerin beim Dorfchef, um uns offiziell anzukündigen und für den
nächsten Tag zu fragen, ob wir kostenlos den größten Wasserfall Ghanas (300m hoch)
besuchen könnten, der direkt nebenan lag, aber normalerweise Eintritt kostet – was für eine Touriflucht!
Wir sollten uns dann nocham nächsten Morgen beim Ältestenrat vorstellen (ca. 20 – 30 Leute).
Dort sollte ich dann für die Gruppe sprechen und unsere Lage ein wenig erklären.
Am Ende gab es den obligatorischen Alkohol!
Der Wasserfall war entspannend und erfrischend. Als wir ankamen, schwirrten jede Menge Fledermäuse
über unseren Köpfen – es wurden noch mehr, als jemand auf sie schoß, und auch eine erlegt hat.
Die verkauft er dann später auf dem Markt! Ansonsten war es aber eher ruhig.
Während wir da waren, kamen anscheinend noch 10 Soldaten und haben nach uns
gesucht, aber wir waren gerade nicht da :).
Abends war noch eine Delelgation des Dorfes mit Gastgeschenken da: eine Kiste mit Cola und Getränken,
einen Korb Bananen, einen Korb Orangen und einen mit Kokosnüssen! Uns wurde gesagt, dass
beide Parteien normalerweise Palmwein mitbringen und ihn dann gemeinsam austrinken,
aber so hatten sie ihre Geschenke und wir unseren Palmwein, den sie uns natürlich austrinken
ließen. Die menschliche Wärme und Güte dieser Menschen ist einfach
unbeschreiblich! Sie sahen in uns auch die Möglichkeit, ihre guten Verbindungen zu Deutschland
wieder auzunehmen, da diese hier die ersten Koloknialherren waren und in guter Erinnerung
geblieben sind.

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